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Airbus A220-300 von Air Baltic

Air Baltic – meine Erfahrungen an Bord des Airbus A220-300

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Vorgeschichte

Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic war auf der ILA 2018 in Berlin als Aussteller vertreten. Auf dem Static Display präsentierte die Airline die Bombardier CS300 mit der Registrierung YL-CSH. Natürlich ließ ich mir damals die Gelegenheit nicht entgehen, die Maschine ausführlich von innen und außen zu erkunden. Dabei entwickelte sich der Gedanke, sowohl den Flugzeugtyp als auch die Airline einmal live auf einem Flug zu erleben.

Nach kurzer Recherche fiel meine Wahl auf die Route zwischen Berlin-Tegel und Riga. Als Reisezeitraum entschloss ich mich für den 13. bis 16. Oktober 2018. Zum Buchungszeitpunkt am 10. Mai 2018 kosteten Hin- und Rückflug zusammen 76 Euro pro Person. Pro Aufgabegepäckstück und Strecke verlangte Air Baltic 19,99 Euro. Zusätzlich reservierte ich kostenpflichtig noch die Sitzplätze und für den Rückflug drei Bordmenüs für meine Familie und mich. Darüber mehr am Ende des Artikels.

Am 1. Juli 2018 erfolgte die Übernahme der Bombardier CSeries durch den europäischen Flugzeugbauer Airbus. Und so wurden aus meinen geplanten Flügen mit der CS300 zwei Trips mit dem Airbus A220-300, wie die Maschinen seit dem 10. Juli 2018 offiziell heißen.

Der Hinflug nach Riga

Am 13. Oktober 2018 war es endlich soweit. Für 8.50 Uhr war der Start von Air Baltic-Flug BT212 in Berlin-Tegel geplant. Nach der Sicherheitskontrolle am Hauptstadtflughafen habe ich erst einmal Flightradar24 gecheckt. Schließlich wollte ich ja wissen, welche Maschine für diesen Flug vorgesehen war. Auf dem Hinflug sollte es die YL-CSB sein. Leider kein “echter” A220-300, denn die Auslieferung erfolgte bereits am 1. Januar 2017, also anderthalb Jahre vor der CSeries-Übernahme durch Airbus. Deshalb ist auch die ursprüngliche Typenbezeichnung noch am Rumpf zu sehen. Doch dafür war die Safety Card bereits neu gedruckt.

Die Kabine der A220-300 ist bei Air Baltic mit 145 Sitzplätzen ausgestattet, verteilt auf 29 Reihen mit jeweils 5 Sitzen. Dabei ist auf der Backbordseite eine Zweier- und auf der Steuerbordseite eine Dreiersitzgruppe verbaut. In den ersten zwei Reihen wird jedoch auf beiden Seiten des Ganges jeweils ein Sitz mit einer Abdeckung versehen. Dort bietet die Airline Ihre Business Class an. Zumindest auf dem Hinflug wurde diese aber von keinem Passagier in Anspruch genommen.

Ob etwas mehr Beinfreiheit, eine kostenlose Mahlzeit sowie 2 Freigepäckstücke und ein paar andere Extras den zum Teil zehnfachen Flugpreis rechtfertigen, muss jeder selbst entscheiden. Am Ende sitzt man doch auf Economy-Sitzen und räumlich nicht von der Economy getrennt, wenn man den Vorhang mal unberücksichtigt lässt.

Unsere reservierten Plätze waren 4D, 4E und 4F. Weil der morgendliche Flug schätzungsweise nur zu 30 Prozent ausgelastet war, ergriff ich die Chance, und wechselte spontan auf den Fensterplatz 3A. So angenehm ich das helle Kabinendesign und die relativ großen Fenster fand, empfand ich die Triebwerksgeräusche als überdurchschnittlich laut. Die Beinfreiheit war dagegen, für meine Körpergröße von 176 cm, sehr großzügig.

Pünktlich um 8.50 Uhr erfolgte der Pushback vom Gate A9 in Tegel. Direkt hinter der A319 D-ASTF von Germania rollte unsere A220-300 zur Startbahn 08R. Und drei Minuten vor 9 Uhr hob sich die Maschine in den klaren Berliner Morgenhimmel.

Die Route führte zunächst Richtung Szczecin. Kurz vor der polnischen Stadt drehte das Flugzeug nach rechts auf die Luftverkehrsstraße Z491. Nach einer weiteren Kurskorrektur, diesmal eine Linkskurve, schwenkte die Maschine auf die L730 ein. Um 9.23 Uhr hatten wir unsere Reiseflughöhe von 41.000 Fuß (rund 12.500 m) erreicht. Bei Gdynia passierten wir die polnische Küste und es folgten 15 Flugminuten über die Ostsee. Danach kam das litauische Festland nördlich von Klaipeda in Sicht. Fast zeitgleich, und etwa 210 Kilometer vor dem Ziel, leitete die Crew den Sinkflug ein.

Die Landung in Riga war auf Piste 18 geplant. In etwa 3000 Meter Höhe passierte die Maschine deshalb bei Jurmala noch einmal die Küstenlinie. Es folgten eine letzte große Rechtskurve über der Bucht von Riga und der Endanflug in südliche Richtung. Leider war die Sicht auf die lettische Hauptstadt während der Landung sehr eingeschränkt. Dunst und Gegenlicht ließen die markantesten Gebäude nur erahnen. Um 11.17 Uhr Ortszeit, nach einer Flugzeit von 80 Minuten, setzte die “Charlie Sierra Bravo” auf der Runway auf.

Die Parkposition lag abseits des Terminals im südlichen Bereich des Airports. Dort abgestellt waren fünf weitere Flugzeuge von Air Baltic, darunter die drei DeHavilland Canada DHC-8 mit den Registrierungen YL-BAF, YL-BAH sowie YL-BAX. Auch die A220-300 YL-CSF sowie die Boeing 737-500 YL-BBI warteten auf ihren nächsten Einsatz. Die mittägliche Stille wurde nur gestört von einer Bell V-22 Osprey der U.S. Air Force, die sich auf den Start vorbereitete. Leider konnte ich die Maschine nicht fotografieren.

Mit dem Bus wurden wir zum Ankunftsbereich des Terminals gefahren. Zu dieser Uhrzeit ging es dort recht beschaulich zu. Und so konnten wir bereits nach wenigen Minuten unsere Gepäckstücke in Empfang nehmen. Für die etwa 17 Kilometer lange Strecke zu unserem Hotel buchte ich ein Ticket am Schalter von Baltic Taxi. Dieses Unternehmen gründete Air Baltic im Jahre 2009, um Touristen vor Taxibetrügereien zu schützen. Für die Fahrt zwischen Flughafen und Stadtzentrum wurden 15 Euro Gesamtpreis fällig.

Für Interessierte sind ein paar Impressionen des Riga-Aufenthaltes auf meinem privaten Facebook-Account bzw. auf Instagram zu finden.

Der Rückflug nach Berlin-Tegel

Am 16. Oktober 2018, gegen 11 Uhr, wurden wir am Hotel wieder von einem Baltic Taxi abgeholt. Etwa 20 Minuten später erreichten wir den Airport der lettischen Hauptstadt. Gut eine Stunde vor Abflug begaben wir uns zur Sicherheitskontrolle. Um diese Zeit standen einige Starts auf dem Programm, so dass es doch eine Weile dauerte, bis wir den Check durchlaufen hatten. Auf dem Weg zu unserem Abflug-Gate C2 schoss ich schnell noch ein paar Handyfotos vom Vorfeld und dem Inneren des Terminals.

Natürlich hatte ich gehofft, auf dem Rückflug mit einem “richtigen” A220-300 zu reisen. Mit der YL-CSI bediente jedoch die letzte an Air Baltic gelieferte CS300 den Nachmittagsumlauf an diesem Tag. Das Flugzeug wurde exakt vier Monate vor diesem Flug, am 16. Juni 2018, an die Airline übergeben. Während der Wartezeit bis zum geplanten Start von Flug BT217, um 13.15 Uhr, konnte ich aus dem Fenster einen kleinen Blick auf das Riga Aviation Museum werfen. Direkt neben dem Airport gelegen, finden sich dort zahlreiche, mehr oder weniger gut erhaltene Exemplare sowjetischer Luftfahrtgeschichte. Aus der Ferne betrachtet, erinnert das Gelände jedoch eher an einen Luftfahrt-Friedhof. Leider hatte ich keine Möglichkeit, dem Gelände einen Besuch abzustatten.

Mit zwei Minuten “Verspätung” rollte die Maschine von Gate C2 des Riga International Airports in Richtung Startbahn 18. Auf dem Weg dorthin bemerkte ich, dass zwischen der Runway und dem angrenzenden Wald zwei Veteranen der russischen Luftfahrt geparkt sind. Zum einen handelt es sich um eine Tupolev Tu-134 in den aktuellen Farben der Aeroflot, bei der anderen um einen Bomber vom Typ Tupolev Tu-22M1 Backfire. Beide Flugzeuge sind vermutlich aus Platzgründen vom Riga Aviation Museum an diesen Standort umgesiedelt worden.

Was mir beim Rückflug als erstes auffiel, waren die überaus lauten Geräusche, sei es von den Klappen oder vom Fahrwerk, welche ich so noch bei keinem Flugzeug gehört hatte. Selbst auf dem Hinflug nicht. Ich weiß nicht, ob es ein Problem an dieser Maschine war oder nur am Sitzplatz hinter den Tragflächen lag. Aber nach den lauten Triebwerksgeräuschen auf dem Hinflug lässt sich sagen, dass die akustische Dämmung des Rumpfes beim Airbus A220-300 wohl nicht sehr gut gelungen ist. Damit wird der sonst recht positive Eindruck der Kabine empfindlich gestört.

Um 13.22 Uhr Rigaer Zeit erfolgte der Start in Richtung Tegel. Das Routing auf dem Rückflug entsprach fast der Streckenführung auf dem Hinflug, nur etwas nördlicher. Die maximale Flughöhe betrug dabei “nur” 40.000 Fuß. Unsere gebuchten Sitze waren diesmal 23A, 23B sowie 24A, auf welchem ich Platz nahm. Im Gegensatz zur Hinreise war das Flugzeug diesmal schätzungsweise zu 85-90 Prozent ausgelastet. Leider verhinderte eine hochnebelartige Wolkendecke über fast ganz Polen einen Blick auf das überflogene Terrain. Dafür tauchte die Sonne die Landschaft in strahlend herbstliche Farben, als der Airbus A220-300 zur Landung in Berlin-Tegel einschwebte und um 13.38 Uhr Ortszeit auf der Piste 08R aufsetzte.

Service an Bord

Bereits bei der Buchung der Flüge entschied ich mich für ein Bordmenü, um auch dieses Angebot von Air Baltic einmal zu testen. Als erstes ließ sich festhalten, dass die Bestellung super funktionierte und ohne Nachfrage jeder seine korrekte Mahlzeit erhielt. Für 10,90 Euro wählte ich gegrilltes Schweinefilet mit Kartoffeln und Bohnen. Die Pappbox enthielt neben der Hauptmahlzeit noch ein Scheibe Schwarzbrot, Butter, Gewürze und natürlich das Besteck. Als Dessert lag ein Brownie bei und als Getränk eine kleine Dose hundertprozentiger Orangensaft. Die Qualität und Frische des Menüs waren sehr gut und den Preis fand ich angemessen.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass ich wieder mit Air Baltic fliegen würde. Beeindruckend waren vor allem die Pünktlichkeit und der Service. Die Sitze an Bord des Airbus A220-300 waren vom Sitzabstand und von der Breite her für die Economy Class in Ordnung und großzügiger als bei der vergleichbaren Konkurrenz. Die recht harte Polsterung jedoch könnte auf langen Air Baltic-Strecken, wie zum Beispiel Riga–Lissabon (4,5 h) oder Riga–Abu Dhabi (6 h), für ein ziemlich unkomfortables Reiseerlebnis sorgen.
Durch die großen Fenster kommt viel Licht ins Innere des Rumpfes. Ansonsten ist das Kabinendesign sehr modern und aufgeräumt, wirkt aber etwas kühl und steril. Daran ändert auch das farblich wechselnde Licht über den Gepäckfächern nichts.

Auf jeden Fall war diese Reise ihr Geld wert und auch Riga kann ich als Städtetrip mit gutem Gewissen empfehlen. Verweisen möchte ich zum Abschluss noch auf den Bericht über meine Flüge mit der Boeing 747-400 von Lufthansa zwischen Berlin-Tegel und Frankfurt im November 2017.

Copyright des Titelfotos: Air Baltic

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