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Eigener ADS-B-Empfänger - günstig und lohnenswert

Eigener ADS-B-Empfänger – günstig und lohnenswert

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Einleitung

Neben den eigentlichen Spotting-Trips mit der Kamera, ist wohl für fast jeden Planespotter auch das Thema Flugverfolgung bzw. Flight Tracking durch Anbieter wie beispielsweise Flightradar24, Radarbox, FlightAware, PlaneFinder und ADS-B Exchange sehr wichtig.

Viele dieser Dienste ermöglichen Feedern, also Nutzern, die ihre eigenen Daten zur Verfügung stellen, einen kostenlosen Zugang zu vielen Premium-Funktionen, für welche sonst ein mittlerer bis hoher dreistelliger Jahresbeitrag fällig wäre. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass ihr mit eurer eigenen Bodenstation auch militärische Luftfahrzeuge angezeigt bekommt, die z.B. bei Flightradar24 herausgefiltert werden.

Nach einiger Recherche im Internet stand mein Entschluss fest und ich wagte den Aufbau eines eigenen ADS-B-Empfängers. Die Kosten von einmalig weniger als 100 Euro (je nach verwendeter Hardware) und viele detaillierte Anleitungen schienen mir für dieses “Experiment” ein überschaubares Risiko zu sein. Bevor ich auf Details zum Aufbau eingehe, ein paar kurze Hinweise zum technischen Hintergrund.

Was ist ADS-B?

Das Automatic Dependent Surveillance – Broadcast ist ein System zur Aussendung von Positionsdaten und weiteren Informationen eines mit einem entsprechenden Transponder ausgestatteten (Luft-)Fahrzeuges. Zu den weiteren gesendeten Details gehören unter anderem das Kennzeichen und der Typ des Luftfahrzeuges, die Flugnummer, die Flughöhe und -richtung sowie die Geschwindigkeit. Diese Daten werden kontinuierlich auf der Frequenz 1090 MHz in alle Richtungen gesendet und können von anderen Flugzeugen oder entsprechend ausgestatteten Empfängern am Boden empfangen werden. Diejenigen von euch, die es genauer wissen wollen, finden weiterführende Informationen unter anderem auf Wikipedia.

Was wird zum Bau benötigt?

Vor dem Kauf ist es wichtig, welche Möglichkeiten zum Aufstellen der Antenne bei euch vorhanden sind. Da die ausgesendeten Signale keine Hindernisse durchdringen können, ist der Aufstellort der Antenne von entscheidender Bedeutung für die zu erwartende Menge und die maximale Entfernung der empfangbaren Daten. Unter idealen Bedingungen lassen sich Flugzeuge selbst in 400 Kilometer Entfernung tracken. Könnt ihr die Antenne auf dem Dach oder einem eigenen Mast im Garten installieren, lohnt sich die Anschaffung höherwertigen, wetterfesten Materials. Dann müsst ihr selbstverständlich auch noch den Blitzschutz für die entsprechende Anlage beachten. Wer die Antenne nur auf dem Fensterbrett oder gar nur Indoor in Fensternähe aufstellen kann, der darf auf deutlich einfacheres Equipment zurückgreifen.

Zum Empfang der Daten ist ein Computer mit einer auf die Frequenz von 1090 MHz abgestimmte Antenne, ein USB-Stick mit entsprechendem Chipsatz sowie die Software zum Dekodieren der empfangenen Daten notwendig. Um nicht einen Desktop-Rechner oder Laptop ständig laufen zu lassen, bietet sich der Einsatz des beliebten Kleincomputers Raspberry Pi an, der für diese Zwecke völlig ausreichend ist.

Weil ich meine Antenne leider nur auf dem Fensterbrett installieren konnte, habe ich mir relativ preiswertes Material angeschafft. Im folgenden findet Ihr die Hardware-Liste, welche ich anfangs bei mir im Einsatz hatte. Dabei handelt es sich um Affiliate-Links zu Amazon-Angeboten. Beim Kauf über die genannten Links unterstützt ihr meine Seite. Natürlich können die Artikel gern auch über andere Shops bezogen werden oder ihr kauft euch eine alternative Austattung.

  1. Raspberry Pi 3B
  2. USB-Stick mit RTL2803U-Chip plus DVB-T-Antenne
  3. Set mit Gehäuse, passendem Netzteil, Lüfter und Kühlkörper für den Raspberry Pi
  4. MicroSD-Karte 16GB (dient als “Festplatte” für den RPi, eine zweite Karte als Backup ist empfehlenswert)
  5. optional ein Netzwerkkabel, falls der Raspberry Pi nicht über WLAN angesteuert werden soll

Für diese Produkte habe ich zusammen weniger als 100 Euro bezahlt.

Nach den ersten Versuchen mit oben genannter DVB-T-Antenne habe ich mir meine ADS-B-Antenne selbst gebaut. Der benötigte Kupferdraht, das Lötmaterial und ein zum Anschluss passendes Antennenkabel sollten nicht mehr als 10 Euro kosten.

Später habe ich den USB-Stick durch den FlightAware Pro Stick ersetzt sowie zusätzlich den FlightAware Bandpass-Filter angeschlossen, welcher die Signalqualität und damit die Menge an ADS-B-Messages erhöhen kann. Beide Bauteile stammen von der Firma FlightAware, welche für Ihre Flighttracking-Webseite bekannt ist. Zusammen fielen dafür nochmal Kosten von rund 45 Euro an.

Dennoch bleibt zu sagen, dass der Kauf von teurer Hardware kein Muss ist und die empfangbaren Daten nicht zwangsläufig signifikant erhöht.

Das Betriebssystem und notwendige Software installieren

Der Raspberry Pi wird standardmäßig ohne Betriebssystem geliefert. Also installieren wir als erstes die grundlegende Software auf eine MicroSD-Karte, welche wir später, sozusagen als Festplattenersatz, einfach in den Pi einstecken.

Einen möglichen Weg findet ihr auf der Seite raspberry.org, ich habe mich jedoch für die Variante von FlightAware entschieden. Deren Anleitung zur Installation der Software PiAware unter Windows und Mac OS ist so ausführlich, dass ich mir die einzelnen Schritte hier spare. Bei Einhaltung der aufgeführten Schritte sollte euer Raspberry Pi innerhalb eines überschaubaren Zeitfensters einsatzbereit sein und ihr die ersten Flugzeuge in eurem Browser visualisieren können.

Dazu ruft Ihr auf eurem Computer die Adresse http://IP-Adresse-des-Pi:8080 auf, wobei ihr “IP-Adresse-des-Pi” natürlich durch die IP-Adresse eures Kleincomputers ersetzen müsst. Diese findet ihr z. B. in der Netzwerkübersicht eures Routers. Damit ihr die IP nicht vor jedem Aufruf erst ermitteln müsst, empfehle ich, dem Raspberry Pi in eurem Netzwerk eine feste IP zu geben.

Solltet ihr die mit eurem Pi empfangen Daten zu FlightAware senden wollen, dann müsst ihr dort ein kostenloses Benutzerkonto erstellen. Sobald eure Station erkannt wurde, wird daraus einen Business Account. Dieser kostet normalerweise knapp 90 Dollar monatlich und ist für euch dann gratis. Ein Vergleich der FlightAware Kontoarten zeigt euch die Vorteile gegenüber dem Basic Account.

Flightradar24-Feeder installieren

Neben FlightAware bietet auch der vielleicht bekannteste Anbieter von Flight Tracking-Diensten, die Firma Flightradar24, neben dem Basis-Konto weitere kostenpflichtige Mitgliedschaften an. Anhand der Übersicht der verschiedenen Flightradar-Mitgliedschaften könnt ihr sehen, dass für das beste Paket, den Flightradar24 Business Plan, jährlich 499,99 Dollar fällig wären. Doch diesen Betrag könnt ihr euch sparen, wenn Ihr die ADS-B-Daten eures Receivers mit Flightradar24 teilt, was anhand dieser Anleitung ebenfalls kein Hexenwerk sein sollte.

Im Gegensatz zu FlightAware habt ihr bei Flightradar24 keine Möglichkeit, nur die Daten der Flugzeuge, welche euer Pi empfängt, auf der Flightradar24-Webseite zu visualisieren. Aber zumindest lässt sich oben rechts erkennen, dass das Konto nun als Business Account geführt wird.

RadarBox-Feeder installieren

Auf der Webseite radarbox.com der Firma AirNav findet ihr eine ähnliche Darstellung des aktuellen weltweiten Flugverkehrs. Auch hier bietet der Betreiber die Möglichkeit, eure ADS-B-Daten auf dessen Server hochzuladen. Und genauso wird das mit der Freischaltung von Premium-Funktionen in eurem Radarbox-Account belohnt. Die Ersparnis im Business Account beläuft sich auf 39,95 Dollar monatlich bzw. 399,50 Dollar im Jahr bei entsprechender Zahlweise.

Alles was hierfür zu tun ist, lässt sich anhand der Installation des Radarbox RBFeeders leicht nachvollziehen.

Wenn ihr eure Station auf der Webseite von Radarbox aufruft, dann zeigt es euch nach einer gewissen Zeit an, welche Abdeckung ihr mit eurer Station erzielt habt. Damit lassen sich neben der Reichweite der Antenne auch sehr gut “tote Winkel” erkennen. Gemeint sind damit Bereiche, aus deren Richtung eure Station keine Signale empfängt.

Planefinder ADS-B-Client installieren

Planefinder ist ein weiterer kommerzieller Dienst, welcher auf www.planefinder.net Flugzeugpositionen visualisiert. Da hier der Jahrespreis für ein Premiumkonto nur 10,99 Euro beträgt, war meine Motivation nicht ganz so hoch, meine Daten mit diesem Anbieter zu teilen.

Für alle Interessierten gibt es aber auch hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Daten mit ADS-B Exchange teilen

Ein nicht-kommerzieller Vertreter im Bereich Flugverfolgung ist ADS-B Exchange. Bei diesem Anbieter lässt sich mit dem Upload allerdings kein finanzieller Vorteil erzielen. Vollständigkeitshalber sei die Anleitung zum Teilen der eigenen Daten erwähnt.

Weitere Einsatzmöglichkeiten

Die vielleicht interessanteste und umfangreichste Nutzung des eigenen ADS-B-Receivers ist der Einsatz als Virtual Radar Server. Mit gleichnamiger Software können die eigenen Daten wesentlich detaillierter dargestellt werden als mit den vorher erwähnten Lösungen und es ist nicht nötig, die Daten mit anderen Diensten zu teilen.

Dieser Software und ihren Möglichkeiten werde ich mich jedoch in einem eigenen Beitrag widmen.

Fazit

Wer häufig die Dienste von Flight Trackern im Internet aufruft, und Premiumfunktionen von diesen Webseiten oder deren Apps nutzen möchte, der muss meist tief in die Tasche greifen. Durch den Einsatz eines eigenen ADS-B-Empfängers und dem Teilen von dessen Daten mit den entsprechenden Anbietern kann man sich diese Gebühren jedoch komplett sparen.

Anfangs war ich skeptisch, ob ich das Geld für diese “Spielerei” ausgeben sollte. Heute kann ich sagen, dass es sich gelohnt hat. Der aufwändigste Teil war die vorherige Recherche nach geeigneter Hardware und verständlichen Anleitungen zum Betrieb der benötigten Software. Erwähnen möchte ich, dass es sich in diesem Artikel nur um meine persönlichen Empfehlungen handelt. Bei entsprechender Suche lassen sich natürlich noch viele weitere Tutorials zum Aufbau und Betrieb eines eigenen ADS-B-Receivers finden.

Aus eigener Erfahrung empfehle ich euch zum Abschluss, eine zweite MicroSD-Karte zuzulegen. Nach jeder erfolgreichen Installation eines Feeders oder bevor ihr größere Veränderungen an den Einstellungsdateien der Feeder vornehmt, solltet ihr eine Kopie der eingesetzten MicroSD-Karte anlegen. Im schlimmsten Fall bootet der Pi nach den Änderungen nicht mehr und ihr dürft alle oben genannten Schritte noch einmal durchführen.

 

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